Märchenstunde

Unbemerkt zuckten noch

die Augenringmuskeln der Konzertbesucher, als Doc Rimshot Mitte der 90er fünf gut gekleidete junge Männer auf die Bühne brachte.
Die Verwunderung wuchs 1997 nach der Vergrößerung der Band durch die wunderhübschen Damen Darlene B! und LaVern Baker. Um so mehr, da sich der Stil eindeutiger dem traditionellen R&B anglich.

Kurz nach der Jahrtausendwende

Wie kommt kurz nach der Jahrtausendwende eine Band dazu, aus dem Pool des unerschöpflichen R&B-Schatzes zu fischen, und dabei nicht die großen bekannten, sondern eher die unscheinbaren Schätzchen auszuwählen?
Doch genau das war ihr Ziel, jenseits des Mainstreams als "guvnor of r&b" zu agieren.
Gute Kleidung, wunderhübsche Damen in glamouröser Garderobe, ein gediegener Bühnenaufbau, unaufdringliche, das Auge verwöhnende Showelemente, schmerzfreie Lautstärken, aber trotzdem ein treibender Groove, das macht das Besondere dieser Band aus, die in der Heidemetropole Lüneburg beheimatet ist.

Das Auge hört und das Ohr sieht mit!“,

meint Bandvater Doc Rimshot. Die Lüneburger Lünepost bezeichnete dieses Original einmal als die "schärfste Show der Stadt". „Sag es, wie es ist, Bruder.“ würde der Bluesman antworten. „You‘ve got it, brother!“

Es war einmal ein wackerer Musiker

namens Henning Dahlmann mit dem innigen Wunsch, wahre Liebhaber des R&B um sich zu scharen -ein Genre mit nicht mehr all zu großer Basis- zu gründen eine Bande, die dem Einheitsbrei der heutigen Musikkultur ein Zeichen entgegen zu setzen weiß.

Uns so machte er sich auf,

sie zu finden, die Gefährten, die Soulmates und die Brüder und Schwestern, die mit ihrem ganzen Wesen der Musik seines Herzens verschrieben waren, dem Rhythm&Blues Er änderte –wie es die Tradition verlangt- seinen Namen und nannte sich fortan Doc Rimshot.

In Kellern,

düsteren Einzimmer-Wohnungen und herabgewirtschafteten Bauernstellen der Heidemetropole Lüneburg fand er sie endlich, die Partner, die er zum Zusammenspiel in einer Rhythm&Blues Kapelle benötigte und nach einer Zeit des Einübens mitteleuropäischer Umgangsformen bei Tisch und unermüdlicher Praxis gediegener Bühnen-Rhetorik wandelten sich die einst verschrobenen menschenscheuen Eremiten in passable Künstler.

Denn eines hatten sie im Marschgepäck,

gereift im unabgelenkten Tun ihrer Einsamkeit und gesellschaftlicher Abgeschiedenheit, ihr Instrument und ihre Liebe zum Rhythm & Blues.
Gleich Phoenix aus der Asche standen sie auf der Bühne in festlicher Kleidung und ließen ihre Lieder erschallen gegen die schier unüberwindlich scheinende Mauer des Mainstreams.
Der Kraft und der Wärme ihrer Musik konnte sich nichts entgegensetzen.

Bis in die Herzen der Zuhörer

drang sie und verkündete ihre Botschaft.
Und wenn ihr sie hören wollt diese Botschaft der Boneys, dann findet ihr sie, in kleinen aber feinen Clubs, verrauchten Hinterzimmern, Galas oder auch auf pulsierenden Stadtfesten–und sie spielen ihre Musik, Musik für Jung und alt, den Rhythm&Blues.

Das klingt komisch

doch es funktioniert. Für den Einen Kult, für den Anderen Erinnerung. Nichts ist verbindender als diese Musik, die noch nicht unter den Schleifspuren abertausender Rundfunkrotationen leidet. Swing-Grooves gehen direkt vom Ohr in die Beine, das ist kein Trick! Rock`n Roll-Rhythmen gehen ab und Funk-Grooves tun ihr Übriges. Einfach zuhören und sich von den Akteuren, besonders den weiblichen, verzaubern lassen, ist eine andere Möglichkeit.


Der Name

Auf Specialty 615 erreichte Larry Williams 1957 Platz 4 der R&B-Charts mit seinem Titel `Bony Moronie`. Grund genug eine R&B-Combo nach diesem makkaronidünnen Mädchen zu benennen. Damit ein jeder es merkt, hier handelt es sich um R&B, folgt die Ergänzung Rhythm & Blues Show, denn das ist eine Tradtion. Denken wir an die legendäre Johnny Otis Show oder eben Larry selbst, der 1963 mit Johnny Watson die Larry Williams Show gründete. Ein schönes Gefühl, das Mysterium Larry Williams auf diese Weise weiter am Leben zu erhalten.

Die Namen

Sie betitelten sich groß– und bildungsbürgerlich, die Ikonen und die `kleinen Lichter` des R&B und des Blues. Adelstitel, akademische Grade, Priestertitel, Körpermaße, Potenz usw. waren Synonyme für musikalische Vitalität.
Ja, es ist schon eine Art Verwandlung, der Gang auf die Bühne, und Verwandlung wird durch den Namen eher verinnerlicht. Natürlich entand Doc Rimshot in Anlehnung an den mit dem Trommelspannring intensivierten Schlag auf der Snare; Teddy Brinson als Reminiszenz an der legendären Bassisten von Larry Williams; Reverend Lewis, nicht verführbar, außer durch Ebony and Ivory; Santiago de las Rosas jr, eine Homage an einen unübertroffenen mexikanischen Tex-Mex-Star; Duke Jordan, der Glückliche aus dem ewigen Springbrunnen des R&B, dem französich beeinflussten Lousiana; Big Jay McHorny, eine Ausleihe vom großen R&B-Sax-Star Big Jay McNealy; Darlene B!, angelehnt an den Namen der R&B-Größe Darlene Love mit gänsehauterregender Stimme; LaVern Baker, erfolgreichster R&B-Star Mitte der 50er, der traditionellen schwarzen Musik. Ernest Decker ist die einzige Ausnahme - in Erinnerung an den deutschen Großvaters unseres amerikanischen Schlagzeugers. Unsere Namen sind farbig, denn auch in diesem Rahmen ehren wir die Musiker, die unter zum Teil menschenunwürdigen Verhältnissen der Welt das gebracht haben, was wir so sehr lieben, den Blues, den Jazz, den R&B, den Rock`n Roll (eine weiße Bezeichnung des schwarzen R&B), den Soul, den Funk, schlechthin unsere geliebte Pop-Musik! Wir denken an die Unauslöschbarkeit der Geschichte in Begriffen, das ehrt ihre Schicksale in der Gegenwart.